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Früher strömten die Zuschauer...

Buchstäblich abgestürzt! Reihenweise tummeln sich Fußballvereine, die früher einmal höherklassig spielten, in den unteren Ligen. Auch im Alzeyer Raum gibt es einige Beispiele. An die wird man erinnert, wenn einem die aktuellen Tabellen der B- und C-Klassen begegnen.


Bemerkenswerte Parallelen weisen zwei Alzeyer Vereine auf, die beide auf eine beachtliche Tradition zurückblicken. Nicht nur, dass der TV Albig und das Team des SC Hangen-Weisheim zusammen in der C-Klasse spielen. Die zwei Klubs haben zwischenzeitlich auch für einige Jahre eine "Auszeit" genommen. Nur im Jugendbereich rollte in Albig und beim SC "Ha-Wei" noch der Ball. Vor einiger Zeit, beim TVA war es 2012, starteten die zwei alten Vereine einen Neubeginn. Mit einer aktiven Mannschaft nehmen sie jetzt wieder am Spielbetrieb teil. Zurückkommen will auch TuS Wörrstadt. Der Traditionsverein sah sich mit Beginn der Runde 2015/16 von heute auf morgen nicht mehr in der Lage, eine Mannschaft auf die Beine zu stellen. Der Grund? Ungewöhnlich viele Abgänge waren zu beklagen, fast das gesamte B-Klassen-Team hatte sich dem TV Sulzheim angeschlossen. "In der neuen Runde sind wir wieder dabei", so die frohe Botschaft aus Wörrstadt zum Jahresbeginn.


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Spielertrainer 1989: Helmut Zahn (hinten 4. von rechts) ließ es nach seiner Profikarriere beim TuS Erbes-Büdesheim ausklingen
Foto: privat

Nur einheimische Spieler in blau-weiß

Ein 400-Seelen-Dorf in der Bezirksklasse! Der SC 1922 Hangen-Weisheim sorgte in den 50er-Jahren für großes Aufsehen, denn es waren durchweg einheimische Spieler, die den blau-weißen Dress trugen. Zum stets brisanten Nachbarduell mit dem VfL Eppelsheim kamen mehr Zuschauer, als "Ha-Wei" Einwohner hatte. In den 60er Jahren war die einstige Bezirksklasse in A-Klasse umbenannt worden. Die Albiger schnupperten sogar mehrmals auf der Ebene Alzey-Worms. Von 1981 bis 1988 folgte dann mit Spielertrainer Albert Jahn die größte Etappe. Über längere Zeit gehörten auch der SV Bechtolsheim sowie der FV Flonheim und die TSG Weinheim der A-Klasse Süd an. Die drei Vereine fristen heute ihr Dasein in der B-Klasse, die Weinheimer in Spielgemeinschaft mit TuS Heimersheim und Bechtolsheim mit TuS Gabsheim. Der Vierte im Bunde ist TuS Erbes-Büdesheim. In den Reihen der heutigen B-Klasse Teams werden bei den Älteren immer mal wieder Erinnerungen an große Zeiten wach. Mit Trainer Heinz Blarr aus Alzey kickten die Weinheimer von 1976 bis 1983 sogar in der neuen Bezirksliga, die an die Stelle der 2. Amateurliga gerückt war. "Gegen RWO und Mauchenheim hatten wir damals in Weinheim über 1.000 Zuschauer", so Blarr.

Sprung in die neue Landesliga Ost

Dann kamen die 90er-Jahre. Über zwei von dem heutigen B-Klassen-Quartett staunten die Fußballfreunde damals ganz besonders: TuS Erbes-Büdesheim (1989) und der FV Flonheim (1994) schafften sogar den Sprung in die neu gebildete Landesliga Ost! Drei bzw. vier Jahre konnten die beiden Alzeyer Klubs die hohe Klasse halten. Besonders gut wäre es für Flonheim in der zweiten Landesliga-Saison unter Trainer Stefan Hofmann gelaufen. "Schorsch" Bergmann, langjähriger Spieler und FV-Klubchef, erinnert sich gern: "Da hatten wir eine ganz starke Elf... und beachtliche Zuschauerzahlen".


Gunther Metz

Aus dem Lager der „Ha-Weier“ bis in die Bundesliga: Gunther "Magic" Metz.
Foto: 2013 Getty Images


Unumstrittene Größe in der Bundeliga

Damals schon kickte in allen Vereinen der eine oder andere herausragende Spieler. Torjäger hatten auch früher  so etwas wie einen Sonderstatus  - einschließlich Jugend. In dieser Hinsicht  rückten von den oben genannten Klubs zwei in den 80er und 90er Jahren besonders ins Blickfeld. Der SC Ha-Wei noch viel früher! Im kleinsten Alzeyer Klub stürmte nämlich Ende der 50er auf Linksaußen ein junger Spieler, der durch ganz starke Leistungen auffiel. Gerhard Kirstein war eminent schnell, kampfstark und torgefährlich. Er wechselte 1961 in die höchste deutsche Spielklasse. Beim Oberligisten VfR Wormatia Worms spielte der damals 23-Jährige die erste Saison im Team mit der Torwart-Legende "Radi" Radenkovic, der später bei 1860 München zum Superstar wurde. In Worms und danach beim FK Pirmasens war Kirstein Stammspieler. Aus dem Lager der "Ha-Weier" kam später nochmal ein Spieler, der ebenfalls Furore machte. Sogar eine Nummer größer, denn längst gab es die Bundesliga. Gunther Metz avancierte in Karlsruhe zu einer unumstrittenen Größe - als Leistungsträger, Publikumsliebling und Kapitän. Nach seiner FCK-Zeit wechselte Gunther 1987 zum KSC, für den er 284 BL-Spiele bestritt. Schon einige Jahre zuvor trug ein anderer Alzeyer ebenfalls den KSC-Dress. Helmut Zahn, aus der Jugend der TSG Weinheim hervorgegangen, hatte in Karlsruhe (1982-85) 90 Einsätze. Seine Laufbahn begann er bei Mainz 05, Worms und Darmstadt waren weitere Stationen. Insgesamt kam Helmut auf 300 Einsätze in der 1. und 2. Bundesliga. Seine Laufbahn ließ er beim TuS Erbes-Büdesheim ausklingen, wo er zeitweise das Amt des Spielertrainers hatte.


Edenkoben, 09.05.2016

Erschienen im SÜDWEST-FUSSBALL 1/2016

Text: Heinz Hinkel