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„Fußball ist unser Leben“

Agathe Marx, seit 32 Jahren als Staffelleiterin und Frauenbeauftragte eine feste Größe beim Südwestdeutschen Fußballverband, hört zum Saisonende auf. Wenn neu gewählt wird, steht sie nicht mehr zur Verfügung. „Ich trete nicht zurück, ich kandidiere nicht mehr“, legt die Niederkirchenerin Wert auf die korrekte Formulierung. Nicht nur im Verband wird sie eine große Lücke hinterlassen.

 

„Über drei Jahrzehnte – das ist eine sehr lange Zeit. Irgendwann muss man einen Schlussstrich ziehen und den Jüngeren eine Chance geben“, sagt die 68 Jahre alte Funktionärin. Bis zum Ende dieser Spielzeit leitet sie die Landesliga der Frauen sowie die beiden Bezirksligen, die Staffel mit den 11er-Mannschaften sowie die Liga, in der nur mit neun oder sieben Spielerinnen gekickt wird. Den Kreispokal hat sie vor der Runde abgegeben. Ihre designierte Nachfolgerin ist Nadine Glaser, die für den FFC Niederkirchen II aufläuft.


Agathe Marx

Foto: privat


„Früher war ich auch in das Auswahlgeschehen involviert, war mit den Frauen- und Mädchenteams oft in Duisburg“, erinnert sich Marx. Höhepunkt war 2003 eine zehntägige Reise mit einer Auswahlmannschaft nach South Carolina, als sie der Delegation angehörte. Weil sie ständig mit jungen Menschen zu tun gehabt habe, sei sie selbst jung geblieben.

Als Frauenbeauftragte im Bezirk und nach dessen Auflösung im Kreis Rhein-Mittelhaardt hat Marx viele Jahre lang den Frauenfußball geprägt. Inzwischen hat die Frauenbeauftragte die etwas sperrige Bezeichnung „Beauftragte für Frauen- und Mädchenfußball“ erhalten. „Die Aufgabe macht immer noch Spaß, aber es hat sich einiges verändert“, betont Agathe Marx mit Blick auf über 50 kurzfristige Spielverlegungen seit Rundenbeginn. Die müssen vorgenommen werden, weil am Wochenende plötzlich nicht genügend Mädchen und Frauen zur Verfügung stehen. Weil sie aber einen guten Draht zu den Spielleitern der Vereine habe, ließen sich viele Probleme gut lösen. „Viele Spielerinnen haben plötzlich etwas anderes vor, fühlen sich der Mannschaft nicht mehr so verpflichtet“, hat die beliebte und anerkannte Staffelleiterin festgestellt.

 

Das ist bei Familie Marx ganz anders. „Fußball ist unser Leben“, sagt Mutter Agathe und schließt ihre Liebsten mit ein. Und deshalb wird die 68-Jährige, der mit ihrem freundlichen Auftreten und ihrem ausgleichenden Wesen die Sympathien förmlich zufliegen, auch vom Fußball nicht lassen. Lange Zeit waren sie und ihr Mann Dieter (73), ebenfalls ein langjähriger und renommierter Funktionär und Staffelleiter, in erster Linie bei den Spielen des VfL Neustadt anzutreffen, weil dort Sohn Andreas (32) spielte. „Zum VfL gehen wir zwar immer noch, aber seit Andreas nach Offenbach gewechselt ist, schauen wir auch dort zu“, berichtet Agathe Marx. Das könnte bald der Vergangenheit angehören, denn Abwehrspieler plane, wegen einer Knieverletzung aufzuhören.

 

Um die Deutsche Meisterschaft gespielt

 

Erste Priorität genießt der FFC Niederkirchen. Dort ist Tochter Anja (43) als Geschäftsführerin und Vereinsmanagerin seit Jahren in einer Führungsposition, während ihre Zwillingsschwester Heike in der Ü35 des FFC spielt. Deren Töchter Annika (D-Junioren) und Hannah (E-Junioren) tragen ebenfalls das Trikot der Niederkirchenerinnen. „Den beiden zuzuschauen bereitet meinem Mann und mir riesige Freude. Das ist noch Fußball in seiner ursprünglichsten Form“, schwärmt Agathe Marx. Enkelin Annika ist wie einst die Oma in der Defensive zu finden. „Ich habe seit der Gründung der Frauenmannschaft 1969 beim TuS Niederkirchen selbst gespielt. Wir sind mehrfach Verbandsmeister geworden und haben um die Deutsche Meisterschaft gespielt“, erzählt Marx stolz. Unter anderem ging es damals zu Auswärtspartien nach München, Hamburg und Berlin.


Niederkirchen

Ein Leben für den Fußball: Dieter Marx (mitte), langjähriger Funktionär und Staffelleiter mit Tochter Anja (rechts), Geschäftsführerin und Vereinsmanagerin des 1. FFC Niederkirchen und Dr. Hans-Dieter Dreiwtz, Präsident des SWFV beim Vereinsdialog im November 2015. Foto: SWFV / Marc Staiger


Künftig mehr Zeit für andere Hobbys

 

Auch wenn der Fußball weiter eine dominierende Rolle im Hause Marx einnehmen wird, freut sich Agathe Marx, dass sie künftig mehr Zeit für andere Hobbys hat. „Wir haben viele Pläne, was wir machen werden“, sagt die Funktionärin. Theater- und Konzertbesuche stehen ebenso auf der Liste wie Städte- und Weinreisen oder die Ahnenforschung, an der sie großes Interesse hat. „Zudem helfe ich ab und zu in meiner alten Firma“, verdeutlicht die ehemalige Buchhalterin. Sie erzählt, dass Freunde das Ehepaar Marx schon animiert haben, öfter mit zum Wandern zu gehen. „Das machen wir auch, aber am Wochenende geht es auf den Sportplatz“, stellt Agathe Marx klar. Am Satz „Fußball ist unser Leben“ wird sich nämlich nichts ändern.

Erschienen im SÜDWEST-FUSSBALL Ausgabe 1/2016
Text: Thomas Leimert

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