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„Beste Regionalliga aller Zeiten“

Eins ist klar beim Blick auf die SWFV-Vertreter in der Regionalliga Südwest: Der Blick muss bei allen dreien nach unten gehen – was aber auch niemand anders vermutet hat. Denn in der heftigen 19er-Staffel, die kommenden Sommer wieder auf 18 Teams verkleinert werden soll, steckt – wie ebenfalls erwartet – der Großteil der Klasse im Abstiegskampf. Und erst im Mai entscheidet sich, ob drei, vier, fünf oder sechs Mannschaften runter müssen – weshalb auch der Blick gen oben geht, zur Rotlichtzone der Dritten Liga.

 

Am meisten schielen muss im Moment die U23 des 1. FC Kaiserslautern. Die kleinen Roten Teufel hängen schon länger auf den potenziellen Abstiegsplätzen fest. Keine Überraschung, nachdem im Sommer sowohl das Budget reduziert als auch der Kader verjüngt wurde. Während Konrad Fünfstück über viele Jahre durchaus gerne mit einen Korsett erfahrenerer Kräfte in der erweiterten Spitzengruppe mitgespielt hatte, muss Nachnachfolger Hans Werner Moser (Zwischenmann Oliver Schäfer wollte sich mit seinem Budget nicht anfreunden) nun fast vollständig auf Nachwuchs pur setzen. „Das wird bis zum Schluss Abstiegskampf“, weiß der Coach, der aber dennoch „möglichst bald über dem Strich“ stehen möchte. Drei in Serie ungeschlagene Spiele Mitte/Ende November sowie ein sehr unglückliches 0:1 bei dem im vollem Siegeslauf befindlichen Titelverteidiger und Erzrivalen SV Waldhof Mannheim deuteten zuletzt an, dass dies gelingen könnte – nachdem die Betze-Buwe zwischenzeitlich sogar einmal Letzter gewesen waren, bedingt vor allem durch viele individuelle Fehler und frühe Gegentore. Weil die Verzahnung mit der Zweitligatruppe – auch im Zuge der Kaderverkleinerung – enger werden sollte und wurde, kickten teilweise bis zu fünf „von oben“ bei der U23 – nicht immer mit dem wünschenswerten vollsten Leistung… Umgekehrt wurde der Weg da bereits erfolgreicher beschritten: Robin Koch – Harrys Sohnemann – ist bei der Ersten ganz schnell etablierte Abwehrstammkraft geworden. Und zu Robert Glatzel, dem Mitbewerber um die Torjägerkrone und Pendler zwischen den Ligen, herrscht die Hoffnung, dass er in nicht allzu ferner Zukunft helfen könnte, die Sturmflaute in der Zweiten Liga zu beheben.

 

Drei Elfer verschossen

 

Sturmflaute – da fühlen sich die beiden anderen Südwestteams im Wettbewerb angesprochen. Angreifer des FK Pirmasens sucht man bei beispielsweise in den vorderen Gefilden der Torjägerliste vergebens. Dabei ist innerhalb des FKP-Kaders, der etwas besser einzuschätzen ist als jene in den zwei Vorjahren, die Auswahl in der Offensive am größten. Bedingt auch durch einen relativ prominenten Neuzugang: Dominik Rohracker kam vom 1. FC Saarbrücken, wo er nicht glücklich geworden war – anders als in den zehn Jahren seiner Ausbildung beim FC Bayern München, wo er unter anderem mit Thomas Müller, Toni Kroos oder Holger Badstuber zusammengespielt hatte. Nach anfänglichen Problemen am Horeb hat sich Rohracker mittlerweile zum Stammspieler auf der offensiven Außenposition des FKP entwickelt – wie auch Patrick Freyer. Daneben kämpfen mit Christian Grimm, Felix Bürger und Charlie Rugg weitere Kapazitäten um einen Platz vorne, wo Ex-Profi Benjamin Auer weiterhin meist als Spitze wirkt. Schwach ist der Sturmtank aber heuer in Sachen Elfmeter: Drei von vier in dieser Saison hat Auer verschossen, das gesamte Team weist bei fünf Versuchen drei Fehlschüsse aus. Zuletzt stritten sich in Koblenz Freyer und Marco Steil um die Ausführung eines Strafstoßes – Steil verschoss, Freyer schmollte.

Die grundsätzliche Harmonie in der Truppe hat dies ebenso wenig unterminiert wie Steils Stammplatz in der Innenverteidigung neben Alexander Heinze. Hinzu kommen die Außen Salif Cissé und Manuel Grünnagel. Zusammen spielen die vier fast die ganze Saison über hinten durch – auch mangels Alternativen, nachdem Karsten Schug im Sommer recht spät seinen Rücktritt eingereicht hatte und Sascha Hammann seit Frühjahr länger als gedacht verletzt fehlt. Vielleicht sorgt aber gerade auch diese Kontinuität für selbige bei der Punkteausbeute, die den FKP fast durchgehend von einem Abstiegsplatz fernhielt. Und nachdem im November mal vier sieglose Spiele zu verzeichnen waren, gelang prompt der wichtige 2:0-Heimerfolg gegen die Offenbacher Kickers, die man (auch dank des OFC-Insolvenz-Punktabzugs von neun Zählern) hinter sich halten konnte.


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Auch im Frühherbst war der FKP bisweilen, so Dauerbrenner-Trainer Peter Tretter, „auf dem Zahnfleisch“ gegangen – wie Wormatia Worms im Spätherbst, als jeweils nach Abschluss der Bitburger-Verbandspokalspiele das Adrenalin der Erschöpfung. Beide Teams hatten gerade aufgrund des engen Spielplans der 19er-Liga viele englischen Wochen hintereinander – wobei sich der FKP beim ASV Fußgönheim aus dem Cup verabschiedete (natürlich wegen vier verschossener Elfer…), während Wormatia das Finale gegen den SV Morlautern am 25.Mai erreichte.

 

„Das wird knüppelhart“

 

Erfolg im Pokal, prompt Probleme in der Liga – diese altbekannte Gleichung traf dann aber eben auch die Wormatia. Nach dem ersehnten Endspiel-Einzug durch ein souveränes 4:1 beim starken Oberliga-Vize Schott Mainz setzte es dreimal null Punkte. Insgesamt „menschlich“, meinte Coach Steven Jones, der indes forderte, dass sich die oft erspielte Dominanz „auch beim Umgang mit den Chancen“ zeigen müsse. Tat sie aber zwischenzeitlich nicht, so dass Wormatia zwischen Mitte Oktober und Mitte November von Platz sechs auf 12 durchgereicht wurde. Das Torverhältnis der Wormser verläuft dagegen relativ konstant – und gibt Aufschluss, wo deutlich Luft nach oben ist. In Sachen (vermiedene) Gegentreffer zählt man zum besten Viertel der Klasse – bei den (viel zu wenig) geschossenen Toren rutschte man dagegen immer mal wieder auf den letzten Platz. Das Problem beginnt bei den Sechsern Fatih Köksal, Benjamin Himmel, Eugen Gopko und Sandro Loechelt, die kompakt agieren – aber kaum Gefahr bringen. Es liegt aber vor allem vorne: Florian Treske, mit 61 Treffern in 123 Spielen für Ulm und Worms „ewiger“ Ligaprimus, trifft schon länger im Schnitt nur noch alle drei statt zwei Spiele – und beschäftigt die Gegner derzeit zu selten in der nötigen Nachhaltigkeit. Jan-Lucas Dorow präsentierte sich nach spielstarkem Frühherbst im Formtief und mit viel Abschlussschwäche – vom Hattrick gegen den VfB Stuttgart einmal abgesehen.

„Uns fehlt die Frische, auch von der Bank“, verweist Wormatia-Verteidiger Patrick Auracher auf den kleinen Kader. Auch von daher „kein Vorwurf ans Team“, so Jones nach dem herbstlichen Tief: „Drei Viertel der besten Regionalliga aller Zeiten stecken im Abstiegskampf – und fast jeder hat mal eine schwache Phase.“

 „Man muss sich darauf konzentrieren, dass man 45, 46 Punkte braucht, um in der Liga zu bleiben. Das wird knüppelhart, denn die wechselnden Ergebnisse sind doch Wahnsinn“, spricht Wormatia-Sportchef Marcel Gebhardt sicherlich auch FKP und FCK aus der Seele: „Es hat sich bewahrheitet, dass wir – neben den zwei Stuttgarter Absteigern – mit Koblenz und Ulm zwei top Aufsteiger dazu bekommen haben, die gut aufgestellt sind und viel investiert haben. Für alle Spiele gilt: Wenn man nicht auf hundert Prozent kommt, kann man in dieser Liga nicht gewinnen.“


Quelle: SÜDWEST FUSSBALL, Ausgabe 4/2016, von Christian Schreider