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Talentförderung im Südwesten trägt Früchte

Das vergangene Jahr war für die männlichen Südwestauswahlteams und deren Talente sehr erfolgreich. Unter den 21 Landesverbänden des DFB nimmt der SWFV derzeit eine Spitzenposition ein. Die Teamerfolge in der Talentförderung sind zwar nicht der ausschließliche  Indikator für eine erfolgreiche Talentsichtung und -förderung, aber dennoch sehr aussagekräftig über das Niveau der Spieler. Bei den DFB-Sichtungsturnieren war die schlechteste Platzierung unter den 21 Landesverbänden ein 6. Tabellenplatz.

 

Die aktuelle U19-Auswahl (Jahrgang 1998) belegte als U18-Team Ende 2015 den undankbaren 4. Tabellenplatz. Lediglich die mangelnde Chancenauswertung verhinderte den Sprung auf das Podest. Gleich acht Spieler dieses Jahrgangs hatten im vergangenen Jahr Einsätze bei der DFB-Auswahl: Jayson Breitenbach, „Ridle“ Baku, Justin Petermann, Ilker Yüksel, Fabian Grau, Finn Dahmen, Joel Richter (alle FSV Mainz 05) und Nicklas Shipnoski (1. FC Kaiserslautern). Davon debütierten „Ridle“ Baku, Joel Richter, Niklas Shipnoski und Fabian Grau bei Länderspielen.

 

U18-Auswahl überrascht am meisten

 

Der jüngste A-Juniorenjahrgang (1999) sorgte für die größte Überraschung. Zwar belegt das Team auch „nur“ den 4. Tabellenplatz, aber unter sehr ungünstigen Voraussetzungen. Zudem war die Truppe im letzten Spiel bis zehn Minuten vor Spielschluss (2:1-Führung) gegen Bayern  noch Tabellenzweiter, musste aber dann noch ein Gegentor hinnehmen. Die Vorbereitung auf diese Turnier lief sehr durchwachsen, viele verletzungsbedingte Ausfälle von Stammspielern und das Fehlen der beiden Stammtorhüter Jan Christoph Bartels und Lennart Grill (beide Nationalspieler) ließen im Vorfeld des Turnieres die Erwartungen sinken. Der Pessimismus war unbegründet, denn die Südwestjungs zeigten sich mehr als konkurrenzfähig. So wurde die herausragende Leistung auch mit vier DFB-Einladungen belohnt: Tolga Dermirbas, Ahmet Gürleyen, Niklas Kölle (alle Mainz 05) und FCK-ler Torben Müsel hatten mittlerweile bereits einen DFB-Lehrgang und die drei Letztgenannten auch schon ein Trainingslager in Spanien mit Länderspieleinsätzen.

 

Der ältere B-Juniorenjahrgang (U17) belegte beim DFB-Sichtungsturnier den 6. Tabellenplatz und somit das „schlechteste“ Teamergebnis. Wenn Tabellenplatz 6 unter 21 Landesverbänden die schlechteste Jahresplatzierung ist, kann der SWFV sehr zufrieden mit seinen Auswahl-Teams sein. Lediglich der langzeitverletzte Jonathan Burkhardt von Mainz 05 ist aktueller U-Nationalspieler und fehlte in Duisburg. Die Nachwuchstalente haben das Fehlen von absoluten Spitzentalenten in ihre Reihen aber bestens durch eine gute Teamleistung kompensieren können.

 

U16 holt Silber und lebt Vielfalt

 

Der Jahrgang 2001 belegte den 2. Tabellenplatz, ließ somit 19 Verbände hinter sich und stellt mit Erkan Eyibil, Merveille Papella, und Oscar Schönfelder (alle FSV Mainz 05) sowie FCK-ler Abdulkerin Cakar und Oliver Batista-Meier (mittlerweile FC Bayern München) fünf (!) Nationalspieler. Mit Torhüter Lasse Rieß und Luis Jakobi kamen zudem noch zwei weitere Südwestler in den Perspektivkader des DFB. Neben den Top-Leistungen lebt diese Mannschaft auch vorbildlich und ganz natürlich die immer wieder gewünschte Vielfalt. Wie den Namen der Spieler zu entnehmen ist und wie man auf dem Mannschaftsfoto erkennen kann, haben viele Nachwuchstalente einen Migrationshintergrund. Was im Fußball allgemein – und im Juniorenleistungsbereich speziell – schon Jahre vorbildlich und ohne besondere Erwähnung vorgelebt wird, muss in anderen Teilbereichen der Gesellschaft erst noch mit viel Aufwand angeschoben werden. Dieser Jahrgang steht symbolisch auch für diesen sozialen Erfolg!

 

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Eine Auswahl lebt Vielfalt: das erfolgreiche U16-Team in Duisburg 2016.

 

Das jüngste Auswahlteam (2002) enttäuschte bei ihrem ersten DFB-Sichtungsturnier in Kaiserau (ohne Platzierung) sehr. In vier Spielen (drei Niederlagen, ein Sieg) blieb die Truppe weit hinter den Erwartungen zurück. Kein Spieler konnte sich direkt für den DFB-Kader empfehlen. Diese negative Ergebniserfahrung war Ansporn für eine gute Leistungsentwicklung. Zudem wurde der Kader durch einige Neuzugänge verstärkt. Die letzten beiden Spiele Ende November gegen die Landesauswahl aus Südbaden (6:2- und 5:1-Sieg) lassen für die Zukunft hoffen.

 

Erfolge basieren auf guter Vereinsarbeit

 

Der Autor weiß natürlich, dass die Haupteinflussgröße – und somit die Basis des Auswahlerfolges – die regelmäßige Vereinsförderung ist. Ohne die Topvorbereitung der Jungs zunächst in den Heimatvereinen und dann vor allem in den Nachwuchsleistungszentren des 1. FC Kaiserslautern und des 1. FSV Mainz 05 sowie dem intensiven Austausch der Coaches wäre dieser Erfolg der Südwestauswahlmannschaften nicht möglich. Das Gesamtkonstrukt „Talentsichtung und Talentförderung“ im SWFV, einschließlich seiner  DFB-Stützpunkte, passt momentan. So erfreulich die Team- und Einzelerfolge mit den zahlreichen DFB-Einsätzen auch sind, Gradmesser einer erfolgreichen Talentförderung ist die Zahl der im Profibereich ankommenden Spieler. U20-Spieler Suat Serdar hat es im abgelaufenen Jahr bei Mainz 05 schon geschafft, sein Teamkollege Aaron Seydel macht es ihm momentan nach: Auf seinen ersten Kurzeinsatz im Europa-League-Spiel gegen St. Etienne folgte sein erstes Bundeligaspiel bei Hertha BSC, bei dem er gleich sein erstes Tor in der höchsten Spielklasse erzielte. Der noch A-Jugendliche Nicklas Shipnoski schnupperte bereits Zweitligaluft mit Kurzeinsätzen für seinen 1. FC Kaiserslautern. Weiter verheißungsvolle A-Junioren trainieren bereits regelmäßig bei den Profiteams mit. Auch diesbezüglich also ein erfolgreiches Jahr.      

 

Quelle: SÜDWEST FUSSBALL 4/2016, von Heinz Jürgen Schlösser