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Horst Eckel, der Weltmeister, wird 85

Viele Wünsche hat er nicht zu seinem Geburtstag. „Dass es mir und meiner Familie gut geht und dass wir gesund bleiben“, sagt er. Und was ist mit dem FCK? „Ach ja, wenn der aufsteigt, will ich  das noch erleben“. Er scheint noch einiges vorzuhaben.


Am 8. Februar wird Horst Eckel, neben dem Kölner Hans Schäfer der einzige noch lebende Spieler von 1954, die Ungarn eingeschlossen, 85 Jahre. Das Wunder von Bern, von dem er immer  sagt, es sei gar kein Wunder gewesen, denn im Endspiel habe die bessere Mannschaft gewonnen, dieses Fußballspiel also mit dem zu erwartenden deutschen Sieg hat sein ganzes Leben verändert. Wie das seiner Kameraden Turek, Posipal, Mai, Morlock, Rahn und Schäfer und seiner Lauterer Mitspieler  Liebrich, Kohlmeier,  Fritz und Ottmar Walter. Und von Trainer Herberger.


Mit einem Schlag wurden sie das, was sie nie sein wollten: Helden. Fußballhelden. Sie haben Deutschland wach geküsst, ihm Selbstbewusstsein zurückgegeben. Ihre Namen wurden ein Stück Zukunft für ein ganzes Land.  Gefeiert wurden sie reichlich, aber nicht wirklich reich.1200 Mark hat Horst Eckel für die Spiele bei der WM bekommen. Und eine Nähmaschine von Pfaff. Dort hatte er gelernt. Geblieben ist er da, wo er geboren wurde und wo er einmal seinen letzten Weg gehen wird. In Vogelbach, einem Teil von Bruchmühlbach-Miesau. Hier war er der Torjäger, den der FCK für sich entdeckte. In Kaiserslautern fand er seine Vollendung. Und hier durfte er sich den größten Fußballtraums seines Lebens erfüllen: an der Seite von Fritz Walter spielen. Niemand hat den alten Fritz mehr verehrt als Horst Eckel.

Deutscher Meister 1951 und 1953, Vizemeister 1954 und 1955 , 213 Spiele für den FCK zwischen 1950 und 1960, 64 Tore. 32 Länderspiele in der Zeit von 1952 bis 1958. Weltmeister 1954 in der Schweiz und Vierter der WM 1958 in Schweden. Die Bilanz macht ihn heute noch schwindelig. Von 1960 bis 1965 arbeitet er als Spielertrainer bei Röchling Völklingen, einen Steinwurf weit von Vogelbach entfernt.


Nichts wird ihm geschenkt. Er ist ein Arbeiter auf dem Platz und außerhalb. Mit Hannelore lernt der die Frau und das Glück seines Lebens kennen. Die Töchter Susanne und Dagmar machen die Familie perfekt . Das ist seine Welt. 1971 beginnt  er in Trier auf dem zweiten Bildungsweg ein Studium zum Sportlehrer. An der Realschule in Kusel findet er danach  eine Anstellung, ein paar Kilometer entfernt von Blaubach-Diedelkopf, wo der junge Miro Klose das Fußballspielen erlernt.

Horst Eckel wird  ein Botschafter: für die Herberger Stiftung, für Kaiserslautern und die WM 2oo6, für die Stiftung von Fritz Walter. Er geht in Justizvollzugsanstalten, um aus seinem Leben zu berichten, kümmert sich um behinderte Menschen, er trainiert die Lottoelf, die nur für soziale Zwecke spielt. Horst Eckel tut das, was anderen gut tut. Er kommt  wenn er gebeten wird, er bleibt, hört zu, genießt, erzählt, übertreibt nicht, ist stolz, dass die Ungarn Freunde geworden sind. Bis zuletzt hatte er mit dem am längsten lebenden ungarischen Spieler, Rechtsverteidiger Jenö Buzanski, Kontakt. Mit dem Tod des letzten ungarischen Spielers ist für Eckel das wichtigste Stück seiner Fußballvergangenheit verloren gegangen. Dieses Spiel von 1954 war eben doch mehr als nur eine Begegnung im Fußball. Das Spiel geht bis heute, obwohl die Gegner fehlen. Hans Schäfer und Horst Eckel sind die beiden Letzten, die etwas mitgeschaffen haben, was die Jahrzehnte überdauert hat. Nie war ein Fußballspiel bedeutender.


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Foto: dfb.de


Jetzt wird Eckel 85 Jahre. Die Roten Teufel sind auch in die Jahre gekommen. 180 cm groß, immer noch ziemlich krumme Beine. Und   mit einem Riesencharakter. Er hat sich nicht geändert in den vielen Jahren seines öffentlichen Wirkens. Wüsste man nicht, dass er Weltmeister ist, man würde es nicht spüren. Er kennt das nicht, was es bedeutet abzuheben. Horst Eckel ist einer aus Vogelbach geblieben.


Von Hans-Peter Schössler