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Kreis Birkenfeld: Heimbach gewinnt Bitburger Kreispokal

Von Björn Peters (Nahe Zeitung)

 

320 mitfiebernde Zuschauer, eine blendende Organisation, zwei faire Teams, die Lust auf interessanten Fußball hatten, ein richtig galliger Underdog, ein souverän leitender Unparteiischer Martin Lind (TV Hettenrodt) und ein extrem spannender Spielverlauf machten das Kreispokalendspiel zwischen dem SV Heimbach und der SG Idarwald zu einer absolut sehenswerten Veranstaltung. Dass die Begegnung letztlich auch noch mit dem verdienten 2:1-Sieg des tieferklassigen SV endete, rundete das Ereignis ab und zeigte, dass auch im Amateurfußball der Pokal seine eigenen Gesetze hat.

 

Die beste Erklärung, warum am Ende der B-Klässler aus Heimbach die Trophäe in die Luft stemmen durfte, lieferte der gerührte und überglückliche Coach des Siegerteams, Heiko Allkofer: „Ich weiß nicht was ich sagen soll. Ich habe ganz fest an mein Team geglaubt und ich wusste die ganze Woche schon, dass wir mit unserem großen Willen dieses Spiel gewinnen werden“, brachte er dann doch noch einen Satz heraus – und traf den Nagel auf den Kopf. Der SV Heimbach und die SG Idarwald boten ein Spiel auf Augenhöhe. Doch während die SG in allen entscheidenden Situationen die letzte Galligkeit auf den Triumph vermissen ließ, war dem SV in jeder Sekunde der absoluten Siegeswillen anzumerken. Bis zur 27. Minute kontrollierten die Idarwälder die Partie und kamen zu der ein oder anderen gefährlichen Situation, für die fast immer der mit Abstand stärkste SG’ler Sebastian Fuck verantwortlich war. Dann wurde es urplötzlich turbulent.

 

Kreispokalsieger Birkenfeld 2017Die Gewinnermannschaft SV Heimbach


Heimbachs ständiger Unruheherd Marcel Hoferichter sah, dass der gegnerische Keeper Fabian Stoffel etwas zu weit vorm Kasten stand und zog aus gut 40 Metern ab. Der Ball krachte an die Latte und landete bei Artur Wirt. Der Idarwälder Spielgestalter leitete direkt den Gegenzug ein, indem er Fuck über rechts schickte. Der brachte die Kugel scharf, flach ins Zentrum, wo ihn der völlig freie Tobias Petry etwas unkonzentriert aufs Tor schoss und ebenfalls nur den

Querbalken traf.

 

Kurz später gab es dann aber den ersten Treffer. Marco Gräf spielte einen super Diagonalball in Richtung Fuck, der von SV-Verteidiger Nico Dietz gerade noch mit der Fußspitze abgefangen wurde. Das Spielgerät sprang allerdings quer durch den Heimbacher Strafraum, wo ihn der aus dem Hinterhalt anstürmende Eric Kohlgrüber direkt aufs Tor knallte. Der überragende SV-Keeper Jens Hoferichter parierte zwar noch mit einem Reflex, den Abpraller versenkte der immer noch lauernde Kohlgrüber dann aber zum 1:0 für die SG Idarwald (30.). Zu diesem Zeitpunkt eine absolut verdiente und logische Führung für den Favoriten und für den neutralen Zuschauer eigentlich auch der Anlass zum Gedanken, dass die Partie nun so ihren erwarteten Verlauf nehmen werde. Doch anscheinend hatte fast die gesamte Mannschaft der SG Idarwald diesen Gedanken auch so im Kopf hatte. Plötzlich wurde sie nämlich nachlässig und brachte den SV Heimbach wieder zurück ins Spiel.

 

Meisner übt Selbstkritik

„Wir und vor allem ich haben sehr viel falsch gemacht. Wir waren eigentlich super im Spiel, und dann leiste ich mir so einen Fehler und gebe damit der Mannschaft einen Knick“, resümierte der fassungslose SGI-Trainer Eduard Meisner nach der Partie selbstkritisch. Er war es in der Tat, der sich den 1:1-Ausgleich ankreiden lassen muss. Völlig allein im eigenen Strafraum, wollte er in sehr lässiger Manier den quirligen Heimbacher Dennis Winter ausspielen und ließ sich dabei den Ball klauen. Winter zog in Richtung Tor, spielte den Torhüter aus und hätte eigentlich aus spitzem Winkel selbst einschieben könne. Er erkannte aber, dass ein Pass zu Kapitän Maik Winter das sichere Tor bedeuten würde und legte so seinem Teamkollegen auf, der zum unerwarteten 1:1 einschob (33.). In der Folge riss Fuck die Partie an sich und scheiterte gleich dreimal am bärenstarken Hoferichter (35., 36., 44.).

 

Elfmeter: Hoferichter pariert gegen Wirt, Sesterhenn verwandelt

Auch nach dem Wechsel drängte erst einmal der Favorit auf die Führung. Wieder war es Fuck, der antrieb. Zunächst wurde er mit einem tollen Lupfer von Meisner bedient und fand erneut in Hoferichter seinen Meister. Beim folgenden Eckball wurde er aber von Gegenspieler Tim Sesterhenn zu sehr festgehalten, und der starke Schiedsrichter Martin Lind zeigte folgerichtig auf den Punkt (55.). Wirt schoss den Elfmeter allerdings halbhoch und nicht sehr hart und genau, so dass Hoferichter erneut triumphierte. „Der hat mir zu extrem in die Ecke geschaut in die er auch geschossen hat“, beschrieb der Keeper, warum er den Strafstoß hielt. Es war die nächste Szene, in der die SG Idarwald einfach zu lässig agierte, und auch der Zeitpunkt, bei dem es zu viel für die Köpfe der Akteure des A-Klässlers wurde. „Wir hatten so viele Gelegenheiten zum 2:1 nicht genutzt und als dann der Elfmeter auch noch verschossen wurde gab es einen Bruch im Spiel“, analysierte Meisner richtig.

 

Fortan nahm der Underdog das Heft in die Hand und hatte in Dennis Winter den stärksten Mann auf dem Feld. Er kam immer wieder über außen in den gegnerischen Strafraum und stellte seine Gegenspieler vor Probleme. So auch in der 65. Minute, als er von links an mehreren Idarwäldern vorbei in die Box eindrang und nur durch ein Foul gestoppt werden konnte. Sein Kollege Sesterhenn ballerte den fälligen Elfer hoch und unhaltbar in die Ecke und stellte auf 2:1 für den SV Heimbach (65.). „Super ist das, nachdem wir das Finale im letzten Jahr vergeigt haben und auch am Sonntag die Meisterschaft verloren haben“, jubelte Winter, der Mann des Spiels, nach der Begegnung. „Wir haben jetzt den Meister und den Dritten der AKlasse im Pokal bezwungen, da tut der verpasste Aufstieg auch nicht mehr so weh“, freute er sich riesig über den Titel.

 

Vier Tore nicht anerkannt

Zwar hatte die SG-Idarwald in der Folge wieder mehr Ballbesitz, wurde aber nicht mehr wirklich zwingend. Der SV Heimbach blieb selbst immer gefährlich – und so bot sich den Zuschauern ein spannendes Hin und Her in den letzten 25 Minuten. Auch emotional ging es für beide Teams weiter auf und ab. Während beim Stand von 1:1 ein viel umjubelter Kopfballtreffer von Marcel Hoferichter keine Anerkennung fand, weil er sich etwas zu vehement mit dem Arm eingesetzt hatte (63.), blieb der SG ein Treffer zum 2:2 verwehrt, weil hier Fuck etwas viel geschoben hatte (76.). Beides waren Entscheidungen die so getroffen werden konnten und vor allem zu Linds Linie passten. Kniffliger wurde es dann in der Schlussphase. Zunächst köpfte Heimbachs Marcel Hoferichter die Kugel an die Latte. Den Abpraller versenkte der starke Marco Hebel im Tor. Assistentin Anika Schulz sah den Torschützen aber im Abseits und hob die Fahne (84.). Kurz darauf spielte Wirt den Ball durch die Abwehr der Heimbacher auf Fuck, der frei durch war und quer auf Jan-Niklas Elz passte. Dieser schoss zum vermeintlichen 2:2 ein. Hier hatte aber der andere Assistent etwas dagegen. Veton Cori Fuck sah eine Abseitsposition und riss die Fahne auch nach oben (90.). Beide Entscheidungen waren sehr eng, aber tendenziell richtig. In der Nachspielzeit bot sich der SG Idarwald die letzte Chance, sich in die Verlängerung zu retten. Wirt steckte den Ball im Randbereich des Strafraums auf den von außen einlaufenden Kohlgrüber durch, der völlig blank ans Spielgerät kam. Vor dem Tor waren drei seiner Mitspieler komplett frei und hofften auf den Querpass, der wohl den sicheren Ausgleich bedeutet hätte. Doch das Resultat dieser Chance passte zu dem einfach zu lässigen und unkonzentrierten Auftritt der SG. Kohlgrüber nahm den leicht zu kontrollierenden Ball zu schlecht mit und konnte so keinen sauberen Pass mehr nach innen spielen. Was rauskam war dann eine Mischung zwischen Schuss und Pass – und Jens Hoferichter klärte mit seinem letzten Ballkontakt des Spiels zu Ecke (90. +5). „Uns haben einfach ganz viele Kleinigkeiten gefehlt“, fasste Meisner ein tolles Pokalendspiel aus Idarwälder Sicht zusammen und ging traurig zur obligatorischen Siegerehrung.


Trikotsatzgewinner TV Hettenrodt

Gewinner des Trikotsatzes TV Hettenrodt


Bilder: Helmut Lange

Edenkoben, 29.05.2017

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