Home | Sitemap | Suche | Impressum | Drucken
Sie befinden sich hier:   Inklusion  Blindenfussball  

Blindenfußball



Inklusionsbeauftragter des SWFV

 

Heinz Krollmann

 

Tel. 06727 378


Mobil: 0173 27 32 021


Email: heinz.krollmann@swfv-mainz-bingen.de



 









-------------------------------------------------------------------------


Blindenfußball-Bundesliga in Mainz


Sonnenschein, Fußball, Tore und jede Menge Spannung. Am Samstag hat die Blindenfußball-Bundesliga einen erfolgreichen Auftakt in ihre siebte Saison gefeiert. Mehr als 3.000 Zuschauer verfolgten auf dem Gutenbergplatz in Mainz die packenden Spiele der blinden und sehbehinderten Fußballer. Die Sportfreunde Blau-Gelb Marburg feierten zum Auftakt einen Kantersieg gegen Würzburg (11:0). Stürmer Alican Pektas war dabei neunmal als Torschütze erfolgreich.

 

„Ich bin absolut begeistert, bislang kannte ich das ja nur aus dem Fernsehen“, erklärte ein Zuschauer: „Das ist Sport auf allerhöchstem Niveau!“ Insgesamt fanden fünf Partien statt, in denen 25 Tore fielen. Rekordmeister MTV Stuttgart startete mit einem 4:1 Sieg gegen den PSV Köln souverän in die Saison. Den Auftakt aber machte Vizemeister Marburg, bei dem Pektas überragte: „Ich bin überglücklich, es ist ein tolles Gefühl vor dieser Kulisse zu spielen“, sagte er und strahlte: „Vielen Dank für die tolle Unterstützung.“

 

Tolle Kulisse in Mainz: Mehr als 3.000 begeisterte Zuschauer

 

1

 

Weitere Bilder in der Bildergalerie: Blindenfußball-Bildergalerie


Die europaweit einzigartige Liga, die von der Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) sowie dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) organisiert wird, verfolgt das Ziel, die Sportler mit dem Fußball „in die Mitte der Gesellschaft“ zu führen. Seit 2011 finden deshalb Spieltage auf zentralen öffentlichen Plätzen statt.


1


Die Entscheidung, den Gutenbergplatz als Spielstätte zu wählen, fiel ganz bewusst: Mitten in der Mainzer Innenstadt vor dem Dom bot er die perfekte Bühne für die Sportler und die Liga. Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um 20 Grad kamen mehr als 3.000 Zuschauer. „Ich bin zufällig vorbei gekommen, aber dann musste ich einfach stehen bleiben“, sagte eine Mainzerin.

 

Staatssekretär Langner: „Ganz normale Sportler, die Bewunderung und Respekt verdient haben“

 

David Langner, Staatssekretär im Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie des Landes Rheinland-Pfalz betonte die Bedeutung der Blindenfußball-Bundesliga, die zur Integration der sehbehinderten Sportler beitragen soll. „Es ist sicherlich ein tolles Gefühl für die Spieler, hier so gut und lautstark unterstützt zu werden“, sagte der Koblenzer SPD-Vorsitzende: „Die Protagonisten sind ganz normale Sportler, die Bewunderung und Respekt verdient haben.“

 

Der nächste Spieltag der Blindenfußball-Bundesliga findet am 7. Juni in Dortmund (Derner Straße 423b/ab 9.00 Uhr) statt. Im Juli und August gibt es weitere Spieltage, ehe am 13. September in Schleswig-Holstein der neue Deutsche Meister im Blindenfußball geehrt werden wird. Zwei Monate später, ab dem 13. November, nimmt die deutsche Blinden-Nationalmannschaft an der Weltmeisterschaft in Tokio teil.

 

Die Ergebnisse des 1. Spieltags der Blindenfußball-Bundesliga in Mainz im Überblick:

 

SC Blau-Gelb Marburg – BFW und VSV Würzburg 11:0

Chemnitzer FC – FC St. Pauli 1:1u

MTV Stuttgart – PSV Köln 4:1

ISC Viktoria Dortmund – SG Braunschweig / Berlin 1:4

VfB Gelsenkirchen – BFW und VSV Würzburg 2:0

 

Weitere Informationen und die Tabelle stehen auf www.blindenfussball.de bereit.

 

Kontakt für Rückfragen

DFB-Stiftung Sepp Herberger

Tobias Wrzesinski

Stv. Geschäftsführer

Sövener Straße 50

53773 Hennef

Tel. 02242 - 918 85 0

Fax 02242 - 918 85 21

Mobil 0152 - 289 17 104

E-Mail twr@sepp-herberger.de

www.sepp-herberger.de


-------------------------------------------------------------------------


Weitere Artikel über den Blindenfußball. Erschienen in der "Schiedsrichter Zeitung"

Herausgeber: Deutscher Fußball-Bund (Schiedsrichter Zeitung 5/2014) 

Fotos: Carsten Kobow

Download der gesamten Zeitung



„Wie eine große Familie“


Zum Fußballspielen ist nicht jeder berufen – das wissen viele Schiedsrichter aus leidvoller Erfahrung.

Wie aber spielt man Fußball, wenn man weder den Ball sieht, noch das Tor, Gegenspieler oder auch den Schiedsrichter? Und wie pfeift man ein solches Spiel? SRZ-Mitarbeiterin Bianca Riedl hat sich auf die Suche nach Antworten gemacht – beim ersten Saison-Spieltag der Blindenfußball-Bundesliga.


Augenkontrolle

 

Sorry, hab‘ dich nicht gesehen.“ Entschuldigend hebt der Spieler die Hand in Richtung des Schiedsrichters, macht auf dem Absatz kehrt und sprintet weiter, dem Ball hinterher. Eine Situation, wie sie tagtäglich auf allen Fußballplätzen der Welt zu beobachten ist. Es gibt wohl keinen Schiedsrichter, der noch nicht unabsichtlich angerempelt wurde – und doch ist hier nichts, wie es scheint.


Es ist erstaunlich warm an diesem Samstag im Mai, die Sonne strahlt bereits und lässt einen heißen Mittag erahnen. Während die Spieler über den Rasen rennen, dringen ungewöhnliche Geräusche an das Ohr des Betrachters: ein gedämpftes Rasseln, das bei jedem Schuss deutlich zu hören ist und vom Ball auszugehen scheint.


Laute Rufe mit unverständlichen Kürzeln wie „sechs zwei“ oder dem kontinuierlich wiederholten Wort „Voy“, das aus einer anderen Sprache zu stammen scheint und dessen Sinn sich dem Verständnis des Betrachters auf den ersten Blick entzieht. Bei genauerem Hinsehen fällt auch der aus Puzzleteilen zusammengesetzte Kunstrasen unter den Füßen der Spieler auf, der von einer breiten Bande eingerahmt wird.

Im Umfeld stehen keine Bäume, kein Waldstück und auch keine

Felder, sondern steinerne Stufen, die zu einem großen Gebäude aus rotem Sandstein hinaufführen – mit frontalem Blick auf den steinernen Gutenberg auf seinem Sockel.


Nein, wir befinden uns auf keinem gewöhnlichen Fußballfeld, sondern auf dem Gutenbergplatz, mitten in der Mainzer Innenstadt. Aber nicht nur die Kulisse, auch das Spiel ist kein gewöhnliches. Die bummelnden Passanten, die heute ihren Samstags-Einkauf erledigen, werden nämlich Zeugen einer ganz besonderen Veranstaltung: des ersten Saison-Spieltags der Blindenfußball-Bundesliga.


Die Fußballer auf dem Platz sind blind oder zumindest sehbehindert. Damit alle die gleichen Voraussetzungen haben, trägt jeder Spieler eine Dunkel­brille, die die Wahrnehmung von Hell-Dunkel-Unterschieden unterbindet.


Nichts sehen und Fußball spielen – kann das funktionieren? Absolut; wenn man die Regeln beachtet:

Zu jeder Mannschaft gehören neben den vier blinden Spielern ein sehender Torwart und zwei ebenfalls sehende Coaches (die sogenannten „Guides“), die außerhalb des Spielfelds stehen und ihre Mannschaft durch Zurufe wie „sechs zwei“ (Sechs Meter vor

dem Tor – zwei Gegenspieler) unterstützen.


Um hohe Schüsse zu vermeiden und den Spielern die Ortung zu erleichtern, ist der Spielball schwerer als ein gewöhnlicher Fußball und enthält Schellen, die bei jeder Bewegung Laute erzeugen. Das Spielfeld ist 40 mal 20 Meter groß und von Banden umrahmt, die in das Spiel mit einbezogen werden dürfen.


Ein Schiedsrichter ohne Gestik?


Nun liegt es in der Natur der Sache, dass alle visuellen Eindrücke für einen Blinden nicht sichtbar sind. Doch welche Auswirkungen hat das auf den Schiedsrichter, dessen Autorität ja gerade durch diesen Aspekt maßgeblich gestützt wird?

„Natürlich ist es kein Vergleich zu einem gewöhnlichen Spiel“, bestätigt Christian Jung, der heute das Spiel SF/BG Blista Marburg gegen BFW/VSV Würzburg pfeift. „Mit Mimik und Gestik kann man bei den Spielern nichts erreichen – Ignorieren funktioniert ebenfalls nicht.“ Deshalb sei die Kommunikation bei einem Blindenfußballspiel noch wichtiger als ohnehin schon.


Nach einem Foul erklärt Christian beispielsweise dem Spieler immer ganz genau, was er gemacht hat. Zudem ist ein vierter Schiedsrichter extra dafür da, während des Spiels Ansagen zu machen, damit einerseits die Zuschauer wissen, was passiert ist, andererseits aber auch alle Spieler darüber informiert werden.


„Während des Spiels sind soziale und körperliche Nähe wichtig“, verdeutlicht Christian, „du tippst und sprichst die Spieler an. Wir kennen die meisten mit Vornamen und erreichen sie dadurch viel besser.“


Das kann Patrick Sapountzoglou, ebenfalls seit Jahren Schiedsrichter im Blindenfußball, bestätigen. Aber auch wenn die Gestik für die Spieler nicht ersichtlich ist, gehört sie aus seiner Sicht dennoch zu einem professionellen Auftreten dazu: „Die Körpersprache ist für die ganze Atmosphäre, die Zuschauer und Trainer wichtig und hilft uns, Professionalität auszustrahlen.“


Schiedsrichtergestik


"Voy-Voy-Voy-Voy-Voy"


Im Unterschied zu einem gewöhnlichen Fußballspiel gibt es eine weitere wichtige kommunikative Aufgabe der Unparteiischen: das Ermahnen zum „Voy“-Sagen. Sobald der ballführende Spieler angegriffen wird, muss der Gegenspieler „Voy“ rufen, eine spanische Kurzform für „Ich komme“. Ein Angriff ohne „Voy“ gilt als Foul.


Patrick hebt die Bedeutung dieser Regel hervor: „Ein Einhalten dieser Regel reduziert die Verletzungsgefahr stark, deswegen ist es unsere Aufgabe, darauf zu achten. Gerade bei Amateurspielern müssen die Spieler ständig zum ‚Voy’-Sagen animiert werden, um den Spielfluss zu erhalten.“


Vermeintliche Fouls sind anders zu bewerten


Doch diese Regel ist nicht der einzige Grund, der dafür sorgt, dass eine Foul-Situation in einem Blindenfußballspiel häufig differenziert zu bewerten ist: „Im normalen Fußballspiel kann man davon ausgehen, dass ein Zusammenstoß oder ein Stolpern über den Fuß eines anderen Spielers nicht einfach mal so passiert. Oft unterstellt man bei solchen Situationen dem Spieler eine Absicht“, erklärt Patrick.

Was Zweikämpfe angeht, erscheine ein Blindenfußballspiel zwar für Außenstehende mitunter sehr robust; längst nicht alle vermeintlich strafwürdigen Situationen sind allerdings auch tatsächlich ein Foul.

Ein sehr körperbetontes Spiel, das weiß Patrick Sapountzoglou aus Erfahrung, ist unter Blinden ganz normal. Auch die Kategorie des Fouls verschiebe sich im Vergleich zu einem gewöhnlichen Spiel: „Ein nicht gesagtes ‚Voy’ ist das häufigste Foul“, erläutert Patrick, „viel seltener haben wir beispielsweise Handspiele.“


Selbstverständlich gebe es auch „normale“ Foulspiele, bei denen ein Angreifer zu Boden gebracht wird und somit seine Vorteil-Situation nicht ausnutzen kann, diese passieren jedoch meist unabsichtlich.

Ein zusätzlicher Aufgabenbereich, der bei einem Blindenfußballspiel für einen Schiedsrichter hinzukommt, ist die Kontrolle der Ruferzonen. Um einen zu hohen Lautstärkepegel zu vermeiden, dürfen der sehende Torwart sowie der Guide im mittleren Drittel und der Guide im Angriffsdrittel den eigenen Spielern nur dann taktische Kommandos zurufen, wenn der Ball sich in ihrem Drittel befindet.


Für die Spielleiter eine besondere Herausforderung, weiß auch Niels Haupt, der Schiedsrichter-Obmann der Deutschen Blindenfußball-Bundesliga (DBFL). Natürlich lässt auch er sich den ersten Spieltag in Mainz nicht entgehen. Trotz der Schwierigkeiten bei der Beurteilung muss aber auf die Einhaltung der Ruferzonen geachtet werden: „Wenn die Spieler zu sehr mitgerissen werden und die Regeln nicht einhalten, müssen wir eingreifen.“


Von Sehbehinderten lernen


In diesem Moment wandert Niels‘ Blick zum Spielfeld, auf dem ein Spieler seinen Angriff startet, den sehenden Torwart tunnelt und den Ball ins Netz schießt. Die Zuschauer jubeln. „Wenn ich Freunden, die selbst Fußballer sind, Videos zeige, reagieren sie oft ungläubig“, lacht Schiedsrichter Patrick Sapountzoglou, „sie können nicht glauben, dass die Spieler blind sind.“


Die Achtung der Unparteiischen vor den Fähigkeiten der Blinden kommt nicht von ungefähr: Während des Lehrgangs zur Ausbildung als Blindenfußball-Schiedsrichter schlüpfen die Teilnehmer selbst in die Rolle eines Blinden. Diese Blinderfahrung sorgt für viel Spaß unter den Schiedsrichtern.


Lachend erzählt Christian Jung von der Herausforderung, blind

zu frühstücken: „Wir wurden von einem anderen Schiedsrichter geführt und haben versucht, uns Marmelade und Butter aufs Brot zu schmieren.“ Dies habe sehr amüsant ausgesehen, „irgendwann war alles total verschmiert.“


Neben dem Spaßfaktor helfe dies jedoch vor allem, sich in die Situation Sehbehinderter einzufühlen. Christian sagt: „Ich habe definitiv eine große Achtung vor den Leis­tungen der Spieler!“

Free Hugs für den Schiri


In seiner langen Erfahrung als Blindenfußball-Schiedsrichter hat Niels Haupt schon viel erlebt. Ein Ereignis, das ihm besonders im Gedächtnis geblieben ist, könnte direkt aus einem Hollywood-Film stammen:

Paralympics 2012 in London, Niels ist als deutscher Schiedsrichter im Einsatz. Er pfeift unter anderem das Eröffnungsspiel Spanien gegen Großbritannien. In einer Szene nutzt der britische Kapitän David Clarke seine Chance und schießt unter dem lautstarken Jubel der Zuschauer ein wunderschönes Tor.


Der glückliche Torschütze dreht ab und will zu seiner jubelnden Mannschaft laufen, sieht jedoch nicht den Unparteiischen, der in seinem Weg steht. Niels erinnert sich, wie er mit dem Kapitän zusammenstieß: „David dachte, ich sei ein Mitspieler und umarmte mich.“


Das Bild, auf dem der Kapitän den Schiedsrichter in die Arme schließt, erscheint am darauffolgenden Tag als „picture of the day“ in allen britischen Tageszeitungen. Es sind Erzählungen wie diese, die die Arbeit der Blindenfußball-Schiedsrichter so einzig­artig machen.


Auf die Frage, wie der Spieler reagiert habe, als man ihn über die Verwechslung aufklärte, schildert Haupt amüsiert, wie er beim nächs­ten Treffen mit ihm witzelte, dieses Mal solle er ihn aber nicht umarmen. Clarks belustigte Antwort: „Hey, du kannst mir dankbar sein – ich habe dich berühmt gemacht!“


Schiedsrichter


Humorvoller Umgang mit der eigenen Behinderung


Niels Haupts Erzählung ist jedoch kein Einzelfall, jeder der Blindenfußball-Schiedsrichter hat bereits Ähnliches erlebt. Sie erzählen, wie der Schiedsrichter beim Aufwärmen die Mannschaft gefragt hat, was sie später für Trikots tragen und die heitere Antwort eines blinden Spielers erhält: „Gelb, siehste das nicht?“

Auch der eigentlich triviale Satz „Sorry, hab‘ dich nicht gesehen“ zeigt, wie locker die Spieler mit ihrer Behinderung umgehen. „Manchmal lachen sie sich nach diesem Satz kaputt“, grinst Patrick.


Keine Sonderbehandlung gewünscht


Selbstverständlich habe jeder der Schiedsrichter zu Beginn sehr viel Respekt vor den Behinderungen gehabt: „Mit Behinderten hatten die meisten von uns noch nicht gearbeitet, aber wir Schiedsrichter sind ja für unsere offene Art bekannt“, schmunzelt Haupt. Natürlich habe man sich gefragt: „Wie geht man mit denen um?“ „Dabei“, fügt Niels hinzu und dreht sich zu einem weiteren Schiedsrichter um, „ist die Antwort ganz einfach, stimmt’s?“ Dessen Antwort kommt von Herzen: „Als ob es Sehende wären. So wollen sie es auch.“


Es ist inzwischen Halbzeit, die Schiedsrichter ziehen sich zu einer kurzen Teambesprechung zurück. Am Spielfeldrand steht die Freundin eines Spielers: „Es ist sein größtes Hobby!“, strahlt sie. „Neben dem Teamgedanken ist auch das körperliche Auspowern sehr wichtig. Er genießt es, einfach mal rennen zu können!“


Auch die freiwilligen Helfer sind durch die erste Halbzeit beeindruckt. Einer meint: „Es ist außergewöhnlich, wie sie sich hier reinhängen und ihre Behinderung vergessen. Das ist so faszinierend, es sollte im Vorfeld viel mehr beworben werden!“


Was die Schiedsrichter antreibt


Schiedsrichter-Obmann Niels Haupt kann dies nur bestätigen: „Wir sehen uns schon so ein biss­chen als Botschafter des Blindenfußballs – unser Ziel ist es, Blindenfußball in die Breite zu bringen.“ Der Sport sei eine tolle Möglichkeit, Menschen mit Behinderung noch mehr in die Gesellschaft zu integrieren.


Menschen helfen - dieser soziale Aspekt wird von allen drei Schiedsrichtern als persönliche Motivation genannt. „Mir persönlich hat es geholfen, mit Behinderten in Kontakt zu kommen“, erzählt Patrick Sapountzoglou. Das kommt im Alltag ja doch eher selten vor.“ Auch die Besonderheit, dass beim Blindenfußball zwei Schiedsrichter auf dem Platz stehen, sei eine neue Möglichkeit, betont Haupt: „Mir gefällt der Teamgedanke, da man sonst ja eher ein Einzelkämpfer auf dem Platz ist.“


Den wohl größten Vorteil eines Blindenfußball-Schiedsrichters bringt Patrick recht plakativ auf den Punkt: „Als normaler Schiedsrichter bist du manchmal der ‚Depp’ auf dem Platz. Natürlich hat man über die Jahre gelernt, sein Ding zu machen und trotzdem seine Leistung abzurufen, aber die blinden Spieler nehmen dich als Schiedsrichter sehr viel erns­ter.“

„Klar“, gibt er zu, „manchmal sind auch sie nicht mit der Entscheidung einverstanden, aber man ist viel eher akzeptiert - deswegen macht das Ganze ja so viel Spaß! Man ist hier mehr oder weniger schon eine große Familie geworden“, setzt Patrick nach, „das ist auch ein Grund, warum ich niemals damit aufhören möchte.“