Grundsatz-Urteile

Aktuelles Urteil

Verbandsgerichts-Urteil Nr. 00016-19/20-4000001:

Berufung im Umlaufverfahren gegen das Urteil Nr. 00060-19/20-4000002 der Spruchkammer zum Meisterschaftsspiel der Herren Musterland-Liga TSV Musteringen – FC 08 Musterstadt vom 12.10.2019.

Urteil:

Das Urteil wird auf die Berufung von TSV Musteringen wie folgt abgeändert:

Das Spiel wird mit 2:0 Toren und 3 Punkten für TSV Musteringen als gewonnen und mit 0:2 Toren für FC 08 Musterstadt als verloren gewertet (§ 29 e) SpO).

Die Kosten des Verfahrens fallen der Verbandskasse zur Last.

Gründe:

Im angefochtenen Urteil hatte die Spruchkammer die Neuansetzung des Spieles angeordnet. Gegen dieses Urteil hat TSV Musteringen form- und fristgerecht Berufung eingelegt.

Nach dem Akteninhalt steht folgender Sachverhalt fest:

In der 72. Spielminute stürzte der Spieler Max Mustermann von FC 08 Musterstadt nach einem Zweikampf mit großer Wucht mit dem Kopf auf den Boden und blieb zunächst reglos liegen. Das Spiel wurde daraufhin für die nicht unerhebliche Behandlungszeit des Spielers, der zwischenzeitlich für ca. 15 Minuten bewusstlos war, und den anschließenden Abtransport mittels Rettungswagen unterbrochen. Die Mannschaften warteten währenddessen in ihren Kabinen. In der Schiedsrichterkabine gab der Schiedsrichter den Vertretern beider Mannschaften bekannt, dass nach Abtransport des verletzten Spielers eine Spielfortsetzung erfolgen solle. TSV Musteringen erklärte die Bereitschaft, das Spiel fortzusetzen. Von Seiten des FC 08 Musterstadt wurde eine Spielfortsetzung im Hinblick auf die nicht unerhebliche Verletzung des Spielers abgelehnt. Daraufhin brach der Schiedsrichter das Spiel ab.

Unter Zugrundelegung dieses Sachverhalts war das Spiel gemäß § 29 e) SpO mit 2:0 Toren und 3 Punkten für TSV Musteringen als gewonnen und mit 0:2 Toren für FC 08 Musterstadt als verloren zu werten, da die Gastmannschaft auf die Fortsetzung des Spiels aufgrund der schweren Verletzung des Mitspielers verzichtet hat. Ein Abbruch seitens des Schiedsrichters lag gerade nicht vor. Es entspricht der ständigen Rechtsprechung des Verbandsgerichts, in diesen Fällen das Spiel gegen den nicht mehr fortsetzungswilligen Verein zu werten, ihn in der Regel aber nicht zusätzlich wegen schuldhaften Herbeiführens eines Spielabbruchs zu bestrafen, da die Entscheidung aus menschlicher Sicht nachvollziehbar ist. Infolgedessen war das Urteil der Spruchkammer entsprechend abzuändern und zu entscheiden wie tenoriert.

Die Kostenentscheidung beruht auf § 15 der Rechts- und Verfahrensordnung.

 

Letzte Aktualisierung: 12.11.2019