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Schiedsrichterin Katharina Menke über Spaß und Stress

In der Kolumne Sport-Plauderei stellt DIE RHEINPFALZ Menschen vor, die sich hinter den Kulissen bewegen. Heute: Katharina Menke vom SV Studernheim. Die 22-Jährige aus Frankenthal studiert Integrative Sozialwissenschaft in Kaiserslautern. Sie ist Fußball-Schiedsrichterin und kommt in der Frauen-Bundesliga als Assistentin von Ines Appelmann aus Alzey zum Einsatz.

 

Wie wird eine junge Frau Fußball-Schiedsrichterin?

Ich habe selbst Fußball gespielt, damals bei Schwarz-Weiß Frankenthal in einer Mädchen-Mannschaft. Da hatten wir bei einem Spiel eine Frau als Schiri. Als ich später die Schule gewechselt habe, hab’ ich sie wieder getroffen und angesprochen. Es war Barbara Engbarth, die hat mich dann zu einer Schiedsrichtersitzung mitgeschleppt. Ich hab’ dann gesagt: Gut, dann probier’ ich’s.


Wann war das?

Im Dezember 2013.


Da sind Sie ja in eine reine Männerwelt geraten?

Ja, außer Barbara und mir waren nur Männer da. Roland Schäfer, unser Schiedsrichter-Obmann, sprach mich an. Damals lief ein Anfängerkurs in Frankenthal. Der war gerade angelaufen, immer samstags, sechs Wochen, immer drei bis vier Stunden. Ich war als Quereinsteigerin dabei.


Wann haben Sie Ihr erstes Spiel als Schiri geleitet?

Im Januar/Februar 2014 bei der E-Jugend auf einem Hartplatz. Ich war noch ein bisschen unbeholfen.


In welchen Ligen pfeifen Sie jetzt?

Bei den Herren seit dieser Saison in der Landesliga, bei den Frauen bin ich in der Bundesliga eine der Assistentinnen von Ines Appelmann aus Alzey.

 

Wer ist in Ihrem Gespann in der Landesliga dabei?

Barbara Engbarth aus Ludwigshafen-Maudach, sie ist so alt wie ich, und Fabian Walther aus Bobenheim. Das ist schon ein erfahrener Schiri.


Wie ist das, wenn eine junge Frau im rauen Männer-Fußball pfeift?

Es gibt drei Varianten: Die meisten sind neutral, denen ist es gleich, ob Frau oder Mann pfeift – Hauptsache der Schiri pfeift gut. Dann gibt es die, die versuchen, mit einem zu flirten. Und dann gibt es auch immer noch die, die sagen, Frauen haben nichts auf dem Fußballplatz zu suchen.


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Foto: SWFV-Archiv / Linzmeier-Mehn


Warum sind Sie trotz mancher Anfeindungen und Parolen Schiri geworden?

Ich sehe das Ganze positiv: Man lernt fürs Leben dazu. Wenn man dumm angemacht wird, weiß man, wie man sich zu verhalten hat. Ich sehe das als Lehre, ich sehe das als Erfahrung fürs Berufsleben. Manchmal aber kommt schon das Gefühl auf: Was mach ich überhaupt hier? Warum mach’ ich das überhaupt? Aber insgesamt überwiegen die positiven Erfahrungen.


Werden Sie als Schiedsrichterin auch betreut, gecoacht?

Das hat sich verbessert. Robert Hoffmann ist bei meinen Spielen öfters dabei. Das hilft, das verschafft einem auch neue Erkenntnisse.

 

Wie waren Ihre Einsätze als Assistentin in der Frauen-Bundesliga?

Ich habe den Vorteil, dass ich bei Ines Appelmann dabei bin, die viele Top-Spiele leitet. Gleich mein erstes Spiel, Bayern gegen SC Freiburg, war ein Live-Spiel. Ich war da wie im Tunnel, sah auf einmal Nationalspielerinnen die ich selbst nur aus dem Fernsehen kannte. Das macht schon Spaß!


Bibiana Steinhaus ist als erste Frau Schiedsrichterin in der Fußball-Bundesliga der Männer – ist das auch für Sie ein erstrebenswertes Ziel?

Die erste Herren-Bundesliga werde ich wohl nicht erreichen. Es ist ein Anreiz, so weit als möglich nach oben zu kommen. Wenn ich es nicht schaffe, kann ich mir sagen: Ich habe alles gegeben. Bei den Lehrgängen sind ja auch Fifa-Schiedsrichter dabei, da lernt man viel dazu.

Studium, Fußball, bleibt da überhaupt noch Freizeit?

Ja, klar. Die Zeit sollte man sich nehmen. Ich komme ja aus einer Großfamilie, ich habe acht Geschwister, mir ist das Familienleben sehr wichtig! Ich betreibe weiter Sport – Wandern, Fahrradfahren und Badminton. Und mein Freund – Maximilian Barthel aus Böhl – ist ja auch Schiedsrichter. Das passt.


Was sagen die Eltern zu Ihrem Hobby?

Sie unterstützen mich. Aber sie kümmern sich auch um alle meine Geschwister, keiner kommt zu kurz! Wir haben nur ein Auto, das darf ich für meine Spiele fast immer nutzen.

Haben Sie ein Vorbild?

Ein richtiges Vorbild habe ich nicht. Ich schaue mir aber gerne andere Schiedsrichter an, man kann bei allen lernen, gerade beim Studium strittiger Szenen.

 

Quelle: Die Rheinpfalz, Interview: Horst Konzok

 

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