08 – Diskriminierende Äußerungen

Verbandsgericht Nr. 19 (2016/17)

Verbandsgericht Nr. 19 (2016/17): Berufung gegen das Urteil Nr. 00153-16/17-4000005 der Spruchkammer zum Hallenspiel zum Turnier um die Stadtmeisterschaft Musterland TuS Musterhausen – FC Musterbach vom 28.01.2017.

Urteil: 

Die Berufung der FC Musterbach gegen das Urteil der Spruchkammer Nr. 00153-16/17-4000005 vom 23.02.2017 wird zurückgewiesen.

Die FC Musterbach  hat die Kosten des Berufungsverfahrens (175,- Euro) zu tragen.

Die Berufungsgebühr wird auf 60,- Euro festgesetzt.

Urteilsgebühr: 20,- Euro

Gründe:

In dem angefochtenen Urteil hatte die Spruchkammer den Spieler Max Mustermann von FC Musterbach wegen diskriminierender Äußerungen gegenüber einem Gegenspieler mit einer Spielsperre vom 23.02.2017 bis zum 23.04.2017 belegt.

Die Berufungsverhandlung hat zu folgenden Feststellungen geführt:

Am 28.01.2017 fand das Hallenturnier Stadtmeisterschaft Musterland statt. Im Rahmen des Turniers spielten TuS Musterhausen und FC Musterbach gegeneinander. Während dieses Spiels gerieten die Spieler Musteringen (TuS Musterhausen) und Mustermann (FC Musterbach) aneinander, wobei es zu einer verbalen Auseinandersetzung der Spieler kam. Der Schiedsrichter ahndete das Verhalten der Spieler, indem er beiden Spielern jeweils eine zweiminütige Zeitstrafe erteilte. Beim Verlassen des Spielfeldes setzten beide Spieler jedoch die verbale Auseinandersetzung fort und begannen dabei, sich wechselseitig zu beleidigen. Musteringen und Mustermann begaben sich in eine Ecke der Halle, in der zwei Stühle aufgestellt waren und die als „Strafbank“ dienen sollten. Kurz vor Erreichen der Stühle beleidigte der Spieler Mustermann den dunkelhäutigen Spieler Musteringen mit den Worten: „Neger“, „Kohlenkasten“ und „Mohrenkopf“.

Diese Feststellungen beruhen auf der durchgeführten Beweisaufnahme. Der Spieler Mustermann hat eingeräumt, den Spieler Musteringen beleidigt zu haben, jedoch abgestritten, Musteringen unter Bezugnahme auf dessen Hautfarbe herabgesetzt und die festgestellten Äußerungen getätigt zu haben. Gestützt werden diese Angaben durch die Bekundungen des Zeugen Musterlos, der ausgeführt hat, etwaige Äußerungen des Spielers Mustermann nicht gehört zu haben. Dabei räumte der Zeuge allerdings ein, etwa 20m entfernt gewesen zu sein und wegen des Geräuschpegels in der Halle etwaige Äußerungen zwischen den Spielern nicht gehört zu haben. Indizielle Stütze erfahren die Angaben des Spielers Mustermann auch durch die schriftlichen Angaben der Zeugen Altmuster und Musterum, die jeweils ausgeführt haben, im Bereich der Strafbank auf der Tribüne gesessen und etwaige Äußerungen des Spielers Mustermann nicht wahrgenommen zu haben. Einschränkend hat der Zeuge Musterum allerdings mitgeteilt, dass etwaige Äußerungen zwischen den Spielern erst verständlich waren, als sich beide auf der „Strafbank“ befanden. Von Äußerungen, als sich die Spieler auf dem Weg zur „Strafbank“ befanden hat der Zeuge nichts mitgeteilt. Gleiches gilt für den Zeugen Altmuster, der ebenfalls übermittelt hat, lediglich Angaben zu Äußerungen auf der „Strafbank“ selbst und nicht dem Platz machen zu können. Der Zeuge Mustergrund konnte zur Sachverhaltsaufklärung nichts beitragen, weil er bei dem Vorfall in der Halle nicht anwesend war. Gleiches gilt für den in der Verhandlung eingesehenen Chatverlauf einer Whats-App-Gruppe, der keine Angaben zu dem Geschehen selbst enthält.

Die Spruchkammer wertet die Einlassung des Spielers Mustermann letztlich als Schutzbehauptung und sieht den Spieler insbesondere aufgrund der durchgeführten Beweisaufnahme als überführt an.

Der Spieler Musteringen hat plausibel und nachvollziehbar geschildert, von dem Spieler Mustermann auf dem Weg zur „Strafbank“ mit den festgestellten Äußerungen beleidigt worden zu sein. Bei dieser Darstellung ist der Zeuge, trotz wiederholter Nachfrage durch die Spruchkammer wie auch den Vertreter des berufungsführenden Vereins geblieben. Die Spruchkammer folgt deshalb den Angaben des Zeugen Musteringen. Dieser ist ohne jeglichen Belastungseifer aufgetreten und hat selbst ausgesprochene Beleidigungen gegenüber Mustermann unumwunden eingeräumt. Die Spruchkammer hat zudem keine Anhaltspunkte für ein Motiv der Falschbelastung durch den Zeugen Musteringen finden können, zumal der Spieler wegen der festgestellten Äußerungen drei Tage später auch Strafanzeige gegen den Spieler Mustermann erstattete. Ein etwaiges Falschbelastungsmotiv durch Musteringen ist vor diesem Hintergrund von dem berufungsführenden Verein auch nicht schlüssig vorgetragen worden. Bestätigung finden diese Angaben durch die Angaben des keinem der beiden Vereine anhängenden und damit neutralen Zeugen Musterblatt, der den Vorgang beobachtet und ebenfalls wie festgestellt geschildert hat. Der Zeuge Musteblatt befand sich zum Zeitpunkt der Äußerungen auf der Tribüne hinter der Strafbank in einer Entfernung von etwa 5 m zu dem Geschehen und konnte nach seinen glaubhaften Ausführungen die Worte des Spielers Mustermann auf dem Weg zur „Strafbank“ gut verstehen. Der Zeuge hat zudem deutlich gemacht, dass er die Äußerungen des Spielers Mustermann als ungehörig empfunden und sich anschließend darüber auch mit einem ebenfalls anwesenden Kollegen unterhalten hat. Indizielle Stütze erfahren die Angaben des Zeugen Musteringen zudem durch die Bekundungen des Zeugen Musterhalt, der in einer Entfernung von 10 m jedenfalls wahrgenommen haben will, wie der Spieler Mustermann den Spieler Musteringen mit „Neger“ titulierte. Der Zeuge Musterhalt hat in diesem Zusammenhang freimütig eingeräumt, nach dem Spiel auf den Spieler Mustermann losgegangen und diesen beleidigt zu haben, wofür der Zeuge auch bestraft worden ist. Die Angaben des Schiedsrichters Musterfrei stehen dieser Bekundungen nicht entgegen. Zwar hat der Zeuge angegeben, beide Spieler während des Verlassens des Spielfeldes beobachtet und auf etwaige Beleidigungen geachtet und auch solche vernommen zu haben. Allerdings musste der Zeuge auch einräumen, etwaige Äußerungen der Spieler, als diese sich außerhalb des Spielfeldes im Bereich der „Strafbank“ befanden, nicht mitbekommen zu haben.

Nach diesen getroffenen Feststellungen hat sich der Spieler Max Mustermann – wie von der Spruchkammer bereits zutreffend bewertet - der Beleidigung eines Gegenspielers mit diskriminierendem Inhalt gemäß § 7 Nr. 2 b) i.V.m. § 12 Nr. 2 StrafO schuldig gemacht. Die verhängte Spielsperre ist deshalb – auch vor dem Hintergrund der Vorbelastung des Spielers – nicht zu beanstanden.

Die Berufung der FC Musterbach war deshalb zurückzuweisen.

Die Kostenentscheidung beruht auf § 15 RVO.